Wir, der Verein Armut und Gesundheit in Deutschland e. V. (a+G), warnen nachdrücklich vor den Verschärfungen der Sanktionspraxis in der Grundsicherung. In der öffentlichen Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Bundestages am 23.02.2026 wurden auch Einblicke in Erfahrungen von leistungsberechtigten Menschen gegeben, die in der politischen Debatte sonst meist ausgeblendet werden: Hinter jeder Arbeitslosigkeit stehen reale Schicksale, Krankheitsverläufe und Familiengeschichten – und diese können fast alle Menschen treffen. Populistische Narrative über „unkooperative Leistungsbeziehende“ verkennen diese Wirklichkeit, verschärfen Probleme und verhindern Lösungen. Die Anhörung machte deutlich: Verschärfte Sanktionen und Deckelungen bei den Wohnkosten führen nicht zu „Korrekturverhalten“, sondern direkt in existenzielle Krisen. Thomas Andreas Wasilewski, selbst Betroffener, berichtete eindrücklich, wie Sanktionen und unrealistische Mietlimits Menschen in Hunger, Kälte, Mietschulden und Wohnungsverlust treiben. Expert*innen und Sozialverbände bestätigen, dass Vollsanktionen Integration und Wiedereingliederung verhindern und soziale Ungleichheiten verschärfen. Besonders besorgniserregend ist, dass faktisch alle Leistungsbeziehenden unter Generalverdacht gestellt werden, obwohl sogenannte „Totalverweigerer“ lediglich 0,6 % der Bürgergeldempfangenden ausmachen. Diese pauschale Unterstellung ist unverhältnismäßig. Gleichzeitig wäre es sinnvoller, bei Steuerhinterziehung von millionen- und milliardenschweren Personen genauer hinzuschauen – dort könnten Staat und Gesellschaft wirklich entlastet werden. 1,2,3 Wir möchten die Bundesregierung deshalb an ihre eigenen Zielesowie an das S in SPD und das C in CDU erinnern: Existenzielle Angst ist kein Integrationsmotor, sondern ein Gesundheitsrisiko. Wer Menschen unter Druck setzt, statt zu stabilisieren, verschiebt Verantwortung von der Arbeitsmarktpolitik in Notunterkünfte, Suppenküchen, Sozialdienste und Kliniken – und im schlimmsten Fall in Gefängnisse. Wir fordern die Bundesregierung auf, die Kritik der Sozialverbände und die Erfahrung der Betroffenen ernst zu nehmen: Keine Vollsanktionen, keine unrealistischen Mietlimits, keine Politik, die existenzielle Risiken schafft. Sozialpolitik ist immer auch Gesundheitspolitik. Grundsicherung muss Stabilität schaffen, nicht Krisen verschärfen. 1 https://www.meine-caritas.de/files/newsletters/c4fcce01-2ea3-4e17-9662-2331fa5286bd/8c3b8e6c-0b52-49ce-927b-d3738312b260/documents/2026_02_19_SGB-II-Reform%20gef%C3%A4hrdet%20Familien_Verb%C3%A4nde%20fordern%20Nachbesserungen_endg_Logoteppich%20(003).pdf 2 https://www.buerger-geld.org/news/buergergeld/buergergeld-reform-2026-sozialverbaende-fordern-stopp-fuer-neue-grundsicherung/ 3 https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/abwicklung-der-buergergeldreform-stellungnahme-des-paritaetischen/ 4 https://afet-ev.de/themenplattform/zwischenruf-zum-gesetzgebungsverfahrens-zur-weiterentwicklung-des-buergergeldes-20022026 5 https://blog.dgsa.de/2026/01/21/kinderschutz-oder-kontrollpolitik-warum-die-bundesregierung-einen-neuen-verdachtsraum-fur-arme-familien-eroffnet/