Aktuelles

Ein voller Erfolg: Unser Theaterabend „Über*lebenskünstler*in ohne Wohnung“

Wohnungslosigkeit bei Frauen findet in Deutschland oft im Verborgenen statt. Viele von ihnen leben nicht sichtbar auf der Straße, sondern in prekären, verdeckten Verhältnissen. Wir freuen uns daher sehr, dass wir am 25.04. die Gelegenheit hatten zusammen mit der Pfarrer-Landvogt-Hilfe einen ganz besonderen Theaterabend zu veranstalten, mit dem wir den Besucher*innen die Schicksale und Geschichten dieser Frauen ein Stück näherbringen konnten. In der Teestube der PLH brachte das freie Theater „Die Sirenen“ unter der Regie von Elfi Dittrich ein besonderes Performance-Stück auf die Bühne: „ÜBER*LEBENSKÜNSTLER*IN OHNE WOHNUNG“. Das Stück basiert auf Interviews mit Frauen aus dem „Wendepunkt“ in Mainz. Es gibt jenen eine Stimme, die im Alltag oft übersehen werden, und macht ihre Geschichten, ihre Kraft und ihre Not sichtbar. Die Aufführung erzeugte reges Interesse: wir durften an diesem Abend über 50 Besucher*innen begrüßen, unter diesen u.a. der Mainzer Kulturdezernent Ata Destalbeh.Zusätzlich konnten wir ein tolles Ergebnis von insgesamt 685 € an Spenden zur Unterstützung der gemeinnützigen Arbeit von a+G und der PLH verzeichnen. Wir möchten uns bei den „Sirenen“, der PLH und nicht zuletzt den vielen Besucher*innen für einen tollen Abend bedanken, der uns allen sehr viel Freude bereitet hat.

Hans Sander: Einer, der Gerechtigkeit wollte.

Wir trauern um Hans Sander, der vorgestern im Alter von 70 Jahren plötzlich verstorben ist. Hans Sander hat sich über viele Jahre hinweg, oft mit uns und mit Gerhard Trabert, eingesetzt: Dafür, den Zugang zur Gesundheitsversorgung als Menschenrecht durchzusetzen; dafür, Armut politisch zu benennen und dafür, konkrete Veränderungen einzufordern. Er war Sprecher der Landesarmutskonferenz, aktiv in der Nationalen Armutskonferenz und Mitbegründer des Sozialforums Kaiserslautern: In all diesen Strukturen brachte er Betroffene, Sozialverbände, Gewerkschaften, Parteien und Initiativen zusammen. In der Erwerbslosenberatung von ver.di hat er Menschen unterstützt, Anträge erklärt, begleitet und sich Zeit genommen; oft viele Stunden pro Woche, ehrenamtlich. Erst vor wenigen Wochen wurde Hans Sander für sein jahrzehntelanges Engagement mit der Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Die Rede, die er dafür vorbereitet hatte, konnte er bei der Verleihung aus Zeitgründen nicht halten. Einige seiner starken Sätze wollen wir deshalb hier als Zitate unterbringen. Was ich in meiner Beratungspraxis erlebe, ist nicht Einzelfall, sondern System. Er hat konsequent die Perspektive verschoben und statt von „Armut“ lieber von „Einkommensarmut“ gesprochen. Warum? Nun, in all den langen Jahren der Erwerbslosenberatung habe ich ungezählte Menschen kennengelernt die einkommensarm sind. Dafür aber reich an Mitgefühl, Menschlichkeit und Solidarität. Seine Kritik richtete sich klar gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse: Arm sind diejenigen, die die soziale Ungleichheit zulassen, die sie verursachen und die sie weiter verschärfen. […] Diese Schieflage ist kein Unfall. Sie ist Absicht. Auch die Auszeichnung selbst hat er politisch eingeordnet. Er verstand sie nicht als persönliche Ehrung, sondern als Anlass, auf die inakzeptable Ungleichheit hinzuweisen – und rief statt Geschenken für sich zu Spenden für unseren Verein auf. Seine Rede endet so: Ich […] gebe die Hoffnung nicht auf, dass eines Tages ein Ruck durch dieses Land geht und wir gemeinsam aufstehen und sagen:  […] Es reicht! Dieser Anspruch bleibt. Armut ist kein Zufall.

Gerhard Trabert verabschiedet – wir blicken mit neuem Vorstand nach vorn

Auf unserer gestrigen Jahreshauptversammlung standen der Rückblick auf das schwierige, emotionale Jahr 2025 sowie wichtige Weichenstellungen für die Zukunft im Fokus. Ein besonders schwerer Moment war die Verabschiedung unseres 1. Vorsitzenden Prof. Dr. Gerhard Trabert. Aufgrund seiner schweren Erkrankung musste er leider aus seinem Amt ausscheiden. Wir danken ihm von ganzem Herzen für sein unermüdliches Engagement und seine Leidenschaft, mit der er unseren Verein gegründet und über so viele Jahre geführt hat, und wünschen ihm und seiner Familie viel Kraft und alles Gute. Unsere Mitgliederversammlung ernannte ihn einstimmig als erstes Ehrenmitglied, um seine Verdienste und die langjährige Verbundenheit zu würdigen. Trotz des plötzlichen Ausfalls von Gerhard können wir stolz auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Die geleistete Arbeit und die erreichten Meilensteine haben wir gemeinsam reflektiert und dabei auch aktuellen Jahresbericht vorgestellt, der ab jetzt auf Anfrage erhältlich ist und hier als Online-Version abrufbar ist. Um die anstehenden Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen, haben wir unseren Vorstand neu aufgestellt und um vier Beisitzende ergänzt. Alle Kandidierenden wurden einstimmig gewählt. Unser neues Team setzt sich wie folgt zusammen: Ab Mai 2026 wird Martin Wick das Team ergänzen. Unser neuer Geschäftsführer leitet aktuell das Patient*innenmanagement der Universitätsmedizin Mainz und hat in dieser Funktion bereits vielfach mit uns kooperiert. Wir freuen uns darauf, die kommenden Herausforderungen gemeinsam mit unserem neuen Vorstandsteam und der Unterstützung unserer Mitglieder und Freund*innen anzugehen. v.l.n.r.: Dr. Dr. Rahim Schmidt, Peiman Niaei, Franziska Zmatlik, Martin Wick, Ilona Hartmann, Jörg Gusek,Nina Behringer, Dr. Margret Pohl

Das Vorstandsteam

Schwanger und ohne Krankenversicherung: Versorgung bleibt vielerorts unsicher

Der Evangelische Pressedienst (epd) hat über die Situation schwangerer Frauen ohne Krankenversicherung recherchiert und dabei auch unsere Arbeit vorgestellt. Der Beitrag zeigt: Trotz Versicherungspflicht leben in Deutschland weiterhin Zehntausende Menschen ohne Krankenversicherung, darunter auch viele Schwangere. Am Beispiel einer unserer Patientinnen wird deutlich, wie prekär die Situation sein kann: Ohne Aufenthaltsstatus oder ausreichenden Versicherungsschutz fehlen häufig Zugang zu Vorsorgeuntersuchungen, medizinischer Begleitung und finanzieller Absicherung rund um die Geburt. Das kann erhebliche gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind bedeuten. Unser Verein unterstützt schwangere Frauen ohne Versicherungsschutz in Mainz durch Beratung, medizinische Vermittlung und – wenn möglich – die Organisation der Kostenübernahme. In einigen Fällen greift ein kommunales Modell, bei dem die Stadt mit Geburtskliniken eine Pauschale für Geburten nichtversicherter Frauen vereinbart hat. Dieses Modell ist jedoch begrenzt und gilt nur für einen kleinen Personenkreis. Bundesweit fehlt weiterhin eine einheitliche Lösung. Statt verlässlicher Absicherung besteht ein Flickenteppich aus kommunalen Einzelregelungen, Projekten und ehrenamtlichen Strukturen. Fachverbände und Kommunen fordern deshalb seit längerem gesetzliche Regelungen, die allen Menschen Zugang zur Gesundheitsversorgung ermöglichen, unabhängig vom Versicherungsstatus. Schwangerschaft und Geburt dürfen nicht vom Versicherungsstatus abhängen. Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht – auch für Schwangere ohne Krankenversicherung. Hier können Sie den ganzen Artikel lesen: https://evangelische-zeitung.de/schwanger-und-ohne-krankenversicherung/ Vielen Dank an Herrn Baas für den Text und Tim Wegner für die Fotos!

Screenshot vom Artikel in der evangelischen Zeitung

Beim Zonta Club Mainz: Frauen in prekären Lebenslagen im Fokus

In der vergangenen Woche war Nele Wilk, Leiterin unserer Sozialen Arbeit, beim Zonta Club Mainz zu Gast. In ihrem Vortrag machte sie deutlich, wie eng Krankheit, Armut und Wohnungslosigkeit miteinander verwoben sind, besonders für Frauen in prekären Lebenslagen. Das anschließende Gespräch zeigte: Das Thema bewegt und stößt auf großes Interesse. Der Zonta Club Mainz ist ein generationenübergreifender Kreis von engagierten Frauen, die in ganz unterschiedlichen Berufsfeldern und Führungspositionen tätig sind. Sie setzen sich ein für die Rechte von Frauen und für kulturelle und soziale Projekte zur Förderung und Unterstützung von Frauen und Mädchen, dies sowohl regional als auch international. Initiiert wurde der Abend von Dr. Dagmar Gillmann-Blum, die sich auch in unserer Ambulanz ehrenamtlich engagiert. Dafür ein großes Dankeschön!

Nele Wilk beim Zonta Club Mainz

Gehen Sie wählen!

Wählen gehen und Position beziehen: Für ein Rheinland-Pfalz, das Vielfalt lebt und Menschenrechte schützt! Am Sonntag wählt Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag. Wir wollen auch weiterhin in einem Bundesland leben, das der Würde des Menschen und den Grundwerten der Demokratie verpflichtet ist. Von den Parteien, die am 22. März 2026 zur Landtagswahl antreten, erwarten wir deshalb, dass sie Wir rufen alle wahlberechtigten Rheinland-Pfälzer*innen dazu auf, am 22. März 2026 von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, damit Einfluss auf die Zukunft unseres Landes zu nehmen und sich mit ihrer Stimmabgabe zu Demokratie, Gerechtigkeit und Menschenrechten zu bekennen! —— Etwa 15 Prozent der erwachsenen Rheinland-Pfälzer*innen dürfen am 22. März nicht an der Landtagswahl teilnehmen, weil sie keine deutschen Staatsbürger*innen sind. Die große Mehrheit von ihnen lebt und arbeitet seit vielen Jahren und Jahrzehnten in Deutschland und in Rheinland-Pfalz. Von den Entscheidungen des Landtages sind sie mindestens ebenso betroffen wie deutsche Staatsangehörige. Deshalb und weil Demokratie jede Stimme braucht, treten die Initiator*innen dieses Aufrufs – die Arbeitsgemeinschaft der Beiräte für Migration und Integration in Rheinland-Pfalz, der Flüchtlingsrat RLP e.V. und der Initiativausschuss für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz – für gleiche politische Teilhaberechte für alle Menschen ein, die rechtmäßig und dauerhaft in Deutschland und in Rheinland-Pfalz leben. Wer hier lebt, muss hier wählen dürfen! —– Dieser Wahlaufruf wird unterstützt von: Arbeit und Leben gGmbH Rheinland-Pfalz/Saarland | Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. | Deutscher Gewerkschaftsbund Rheinland-Pfalz/Saarland | Institut zur Förderung von Bildung und Integration e.V. – INBI e.V. | ism e.V. – Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz e.V. | Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus Rheinland-Pfalz“ | LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz e.V. | Netzwerk diskriminierungsfreies Rheinland-Pfalz e.V. – NdRLP e.V. | Netzwerk für Demokratie und Courage in Rheinland-Pfalz | Netzwerk Kirchenasyl Rheinland-Pfalz/Saarland | QueerNet Rheinland-Pfalz e.V. | Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Rheinland-Pfalz |

Theaterabend „ÜBER*LEBENSKÜNSTLER*IN OHNE WOHNUNG“:

Samstag, 25. April 2026, 20:00 Uhr in der Teestube der Pfarrer-Landvogt-Hilfe, Zitadelle 1F, 55131 Mainz Wohnungslosigkeit bei Frauen findet in Deutschland oft im Verborgenen statt. Schätzungen für das Jahr 2025 gehen von 200.000 bis 300.000 betroffenen Frauen aus – viele von ihnen leben nicht sichtbar auf der Straße, sondern in prekären, verdeckten Verhältnissen. Gemeinsam mit der Pfarrer-Landvogt-Hilfe laden wir Sie herzlich ein, diesen Schicksalen und Geschichten ein Stück näherzukommen: Das freie Theater „Die Sirenen“ bringt unter der Regie von Elfi Dittrich ein besonderes Performance-Stück auf die Bühne: „ÜBER*LEBENSKÜNSTLER*IN OHNE WOHNUNG“ Das Stück basiert auf Interviews mit Frauen aus dem „Wendepunkt“ in Mainz.Es gibt jenen eine Stimme, die im Alltag oft übersehen werden, und macht ihre Geschichten, ihre Kraft und ihre Not sichtbar. Die Veranstaltung im Detail: Hier gehts zum Flyer – gerne verteilen! Kommen Sie vorbei, lassen Sie sich bewegen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Gesundheit ist politisch! Wir beim Kongress Armut und Gesundheit in Berlin

Gesundheit ist politisch! Das war das diesjährige Motto beim Kongress Armut und Gesundheit in Berlin, den unser Vereinsgründer Gerhard Trabert vor über 30 Jahren mit initiiert hat und bei dem wir, wie jedes Jahr, wieder dabei waren. Der Kongress zeigt: Soziale Ungleichheit in der Gesundheitsversorgung besteht fort – und politisches Handeln bleibt dringend notwendig. Gleich zu Beginn machte Ilona Kickbusch deutlich: Es braucht keine weiteren Studien. Die Fakten sind bekannt. Entscheidend ist, dass das Wissen endlich flächendeckend in politische Praxis übersetzt wird! Einkommensarme Menschen und Menschen in prekären Lebenslagen werden weiterhin strukturell ausgeschlossen. Das bestätigt auch unsere tägliche Arbeit, über die wir an unserem Infostand sowie in Panels und Workshops berichtet haben. Der Kongress bot Raum, eigene Positionen einzubringen, fachlichen Austausch zu vertiefen und neue Perspektiven kennenzulernen. Gleichzeitig wurde deutlich, wie groß die Lücken in Richtung eines gleichwürdigen und gerechten Gesundheitssystems weiterhin sind. Vielen Dank an alle Organisator*innen!

Ausgrenzung schadet uns allen! #GesundheitUnteilbar

Mit großer Sorge beobachten wir, dass Maßnahmen der Gesundheits-, Sozial- und Migrationspolitik Ungleichheiten verschärfen. Statt diesen wirksam entgegenzutreten, werten einige Politiker*innen mit populistischen Äußerungen ganze Bevölkerungsgruppen ab. Als Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen sehen wir uns in besonderer Verantwortung. Wenn Politiker*innen und andere öffentliche Stimmen grundlegende Werte wie Menschenrechte und Sozialstaatlichkeit in Frage stellen, dürfen wir nicht schweigen. Unsere Arbeit basiert auf der Unantastbarkeit der Menschenwürde. Wir versorgen und beraten Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter, Religion, Einkommen, sozialem Status oder sexueller Orientierung. Vielfalt ist für uns kein Schlagwort, sondern auch in unserem Kolleg*innenkreis gelebte Realität. Sie stärkt unser Gesundheitssystem und unsere Gesellschaft. Wir wissen, dass Armut und Diskriminierung krank machen. In unserer täglichen Arbeit sehen wir die Folgen, wenn Gesetze, Institutionen und Meinungsmacher*innen Menschen ausgrenzen und Politiker*innen Gelder im Gesundheits- und Sozialbereich kürzen. Existenzsorgen, unsichere Arbeitsbedingungen und Wohnungslosigkeit schaden der Gesundheit. Gesetzlich geschaffene Hürden erschweren die notwendige medizinische Versorgung zum Beispiel von Asylsuchenden. Vermehrt erleben wir auch, wie rassistische Anfeindungen sowohl die von uns unterstützen Menschen bedrohen als auch unsere Kolleg*innen. Dabei wissen wir: Es wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus, wenn wir Armut und Ungleichheit bekämpfen und den Zugang zu Gesundheitsversorgung für alle sicherstellen. Je gerechter ein Land ist, desto höher ist die Lebenserwartung, desto geringer ist die Kindersterblichkeit und desto gesünder fühlen sich Menschen im Durchschnitt. Davon profitieren wir als Gesellschaft insgesamt – und das muss Ziel politischer Entscheidungen sein. Vor den anstehenden Landtagswahlen appellieren wir an alle: Setzen Sie sich mit uns gemeinsam ein für eine Politik, die Menschenrechte schützt, Gesundheit fördert, Vielfalt achtet und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Ausgrenzung schwächt die Abwehrkräfte. Unser Rezept: Zusammenhalt. #GesundheitUnteilbar –> Diese gemeinsame Erklärung wurde von über 75 Organisationen und über 125 Einzelpersonen unterzeichnet: https://www.aerztederwelt.org/publikation/position-gesundheitunteilbar-ausgrenzung-schadet-uns-allen/

Wir warnen vor den Folgen der verschärften Sanktionspraxis im Bürgergeld: Die Regierung gefährdet Gesundheit und Wohnsicherheit tausender Menschen.

Wir, der Verein Armut und Gesundheit in Deutschland e. V. (a+G), warnen nachdrücklich vor den Verschärfungen der Sanktionspraxis in der Grundsicherung. In der öffentlichen Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Bundestages am 23.02.2026 wurden auch Einblicke in Erfahrungen von leistungsberechtigten Menschen gegeben, die in der politischen Debatte sonst meist ausgeblendet werden: Hinter jeder Arbeitslosigkeit stehen reale Schicksale, Krankheitsverläufe und Familiengeschichten – und diese können fast alle Menschen treffen. Populistische Narrative über „unkooperative Leistungsbeziehende“ verkennen diese Wirklichkeit, verschärfen Probleme und verhindern Lösungen. Die Anhörung machte deutlich: Verschärfte Sanktionen und Deckelungen bei den Wohnkosten führen nicht zu „Korrekturverhalten“, sondern direkt in existenzielle Krisen. Thomas Andreas Wasilewski, selbst Betroffener, berichtete eindrücklich, wie Sanktionen und unrealistische Mietlimits Menschen in Hunger, Kälte, Mietschulden und Wohnungsverlust treiben. Expert*innen und Sozialverbände bestätigen, dass Vollsanktionen Integration und Wiedereingliederung verhindern und soziale Ungleichheiten verschärfen. Besonders besorgniserregend ist, dass faktisch alle Leistungsbeziehenden unter Generalverdacht gestellt werden, obwohl sogenannte „Totalverweigerer“ lediglich 0,6 % der Bürgergeldempfangenden ausmachen. Diese pauschale Unterstellung ist unverhältnismäßig. Gleichzeitig wäre es sinnvoller, bei Steuerhinterziehung von millionen- und milliardenschweren Personen genauer hinzuschauen – dort könnten Staat und Gesellschaft wirklich entlastet werden. 1,2,3 Wir möchten die Bundesregierung deshalb an ihre eigenen Zielesowie an das S in SPD und das C in CDU erinnern: Existenzielle Angst ist kein Integrationsmotor, sondern ein Gesundheitsrisiko. Wer Menschen unter Druck setzt, statt zu stabilisieren, verschiebt Verantwortung von der Arbeitsmarktpolitik in Notunterkünfte, Suppenküchen, Sozialdienste und Kliniken – und im schlimmsten Fall in Gefängnisse. Wir fordern die Bundesregierung auf, die Kritik der Sozialverbände und die Erfahrung der Betroffenen ernst zu nehmen: Keine Vollsanktionen, keine unrealistischen Mietlimits, keine Politik, die existenzielle Risiken schafft. Sozialpolitik ist immer auch Gesundheitspolitik. Grundsicherung muss Stabilität schaffen, nicht Krisen verschärfen. 1 https://www.meine-caritas.de/files/newsletters/c4fcce01-2ea3-4e17-9662-2331fa5286bd/8c3b8e6c-0b52-49ce-927b-d3738312b260/documents/2026_02_19_SGB-II-Reform%20gef%C3%A4hrdet%20Familien_Verb%C3%A4nde%20fordern%20Nachbesserungen_endg_Logoteppich%20(003).pdf 2 https://www.buerger-geld.org/news/buergergeld/buergergeld-reform-2026-sozialverbaende-fordern-stopp-fuer-neue-grundsicherung/ 3 https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/abwicklung-der-buergergeldreform-stellungnahme-des-paritaetischen/ 4 https://afet-ev.de/themenplattform/zwischenruf-zum-gesetzgebungsverfahrens-zur-weiterentwicklung-des-buergergeldes-20022026 5 https://blog.dgsa.de/2026/01/21/kinderschutz-oder-kontrollpolitik-warum-die-bundesregierung-einen-neuen-verdachtsraum-fur-arme-familien-eroffnet/

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